martin loosli -
vernissage: 29. september ab 17h
martin loosli liest aus dem erlebnisbericht seines reisestipendiums 2007 des kantons bern für bildende kunst und architektur (impressionen aus melilla, europas südgrenze auf dem afrikanischen kontinent).
“ein elegantes silbernes ungetüm, das sich träge durch marokkos grüne hügel schlängelt: so würde man den zaun gerne beschreiben, trüge er nicht die gestik der zurückweisung in sich, die tragik der ausgrenzung” (martin loosli)
Text zur Ausstellung von Martin Loosli 29.09. – 27.10.2007
„Sonderfall Normalität“ ist ein Reisebericht der besonderen Art. Martin Loosli zeigt in dieser Ausstellung nebst einer Auswahl seiner lyrisch anmutenden weiss auf weiss und schwarz auf schwarzen Schrifttafeln, Stationen seiner neusten Fotoarbeiten, die während seines achtwöchigen Reisestipendiumsaufenthalts in Melilla und Ceuta entstanden sind. Loosli verbindet seine Auseinandersetzung mit dem geschriebenen Wort, welche die differenzierte Wahrnehmung des Betrachters und der Betrachterin herausfordert, mit der gezielten dokumentarischen Aussage der Fotografie. Looslis Schrifttafeln bestechen durch ihre Reduktion auf das Wesentlichste. Wörter und gar Sätze werden erst durch den Sichtwinkel des Betrachters lesbar. Nichts an diesen Werken ist zufällig. Der Arbeitsprozess zum endgültigen Werk stets sorgfältig geplant. Aussagekräftig und kontemplativ zugleich, beziehen diese Arbeiten Raum und Betrachter mit ein, werden so zu einem archaischen philosophischen Gefüge. Die Realität bleibt in Martin Looslis Schaffen dennoch treibende Konstante. So hält er in seinen jüngsten Arbeiten mit dem Medium der Fotografie den real angetroffenen Zustand vor Ort fest. Die in Melilla und Ceuta entstandenen Fotoarbeiten agieren durch Zwischentöne, zeigen sie doch Alltägliches in der Normalität. Die Menschen, die einem in Martin Looslis Arbeiten begegnen, beeindrucken durch ihre Anwesenheit. Es ist der Zustand, der Moment den Loosli einfängt, der uns unmittelbar trifft. Die Lethargie und Mutlosigkeit in den Gesichtern seiner Protagonisten. Die Zaunwälle und Graffitis die zu Zeugen einer weltumspannenden Urbanität werden, welche vieles verspricht und wenig hält. Trotz Melancholie bleibt in Looslis Bildern genug Platz für Skurriles und Gegensätzliches. Gerade mit seinen zum Teil fragmentarischen Fotografien wie „I woz ere“ impliziert Loosli seinen Aufnahmen eine gewisse Allgemeingültigkeit, spielt aber dabei auch gleichzeitig mit der Wahrnehmung des Betrachters. Er fotografiert die Kopfstütze einer Sitzbank in einem spanischen Bus, die mit der Aufschrift „I woz ere“ versehen ist. Die Unbeholfenheit und die nicht korrekte englische Schriftweise des Schreibers, werden zu Indizien, die uns zur Interpretation über Bild und über Herkunft des Schreibers anregen. Melilla und Ceuta wären vielleicht einfach zwei spanische Städte am Rande Europas geprägt von afrikanischen Einflüssen, gäbe es da nicht diese meterhohen alles umspannenden zwei Zäune, welche die Städte vor illegalen afrikanischen Einwandern schützen sollen. Eingezäunt und damit selbst auch ausgegrenzt, leben die Menschen hier im Zeitalter der überall propagandierten Öffnung und Wiedervereinigung. Martin Loosli hat von seinem Aufenthalt auf diesen zwei spanischen Exklaven Fotomaterial mitgebracht, welche die Alltäglichkeit dokumentiert. Er widmet dem Banalen seine ganze Aufmerksamkeit . Seine Direktheit im Umgang mit der gelebten Normalität überzeugt. Selbst nur Betrachter der Situation, bleibt Loosli stets im Hintergrund. Er zeigt unbeschönigt das Treiben des Alltags, fängt die innere Zerrissenheit und Perspektivenlosigkeit der Einwohner in Bildern ein, immer mit Respekt und der Gewissheit das ein Bild so unverfälscht es sein mag, nur eine Annäherung an die Realität darzustellen vermag. Ob in seiner Auseinandersetzung mit Texten, der Malerei oder der Fotografie, Martin Looslis Werk bindet den Betrachter und dessen Wahrnehmung in seine Arbeit mit ein. Er macht ihn zu seinem Verbündeten, dessen Standpunkt letztlich mitentscheidet über die Sichtbarkeit des Wortes im Bild, über die Interpretation der Aussage in der Fotografie und der Würdigung des Moments.
Art-
S.Marti
bericht landbote
bericht tagblatt