peter gysi objekte und zeichnungen

 

>>> 15. dezember  2007 - 27. januar 2008

>>> vernissage: sa. 15. dezember ab 17h

 

 

Wenn das Schlichte, das ganz Elementare irritieren kann, dann bei Peter Gysi. Seine frühen Arbeiten, zumeist Schichtungen und Reihungen einfacher, kaum oder gar nicht nachbearbeiteter Bleche und Metallprofile, laden den Betrachter geradezu ein, sie mit einer sehr akkuraten Sammlung von Nutzmaterial ohne Kunstanspruch zu verwechseln. Diese Arbeiten „setzen ihren Kunstcharakter aufs Spiel“, wie Markus Schürpf einmal schrieb. Sie scheinen dem Anspruch der Minimal Art, den Illusionismus der Kunst mit Objekten aufzubrechen, die auf nichts verwiesen, ausser auf sich selbst, besonders radikal zu folgen.

Doch so leicht ist Peter Gysi nicht zu fassen. Gehört doch zu seiner Denk- und Arbeitswelt auch eine Sammlung von 50.000 Ansichtskarten. Und immer häufiger entstehen in den letzten Jahren neben den grossen strengen Arbeiten, die deutlich dem Geist des Konstruktivismus verbunden sind, kleine, eigenwillige, schwerer einzuordnende Objekte wie der Kranz aus Spülbürsten oder das abstrahierte Flaschenschiff in der PET-Flasche. Der Schalk blitzt aus diesen Arbeiten, in denen Strandgut des Alltags und eine fragende Phantasie spannende Formen finden. Mit einem kecken Augenzwinkern scheinen diese Arbeiten das Ordnungssystem der Schichtungen und Reihungen, die Kunst und die sich darin spiegelnde Welt in Frage zu stellen.

Arbeiten in denen Werkzeuggriffe in nutzlosen Schnörkeln enden verbildlichen nicht nur „die Unzulänglichkeiten des Alltags“, wie Gysi lächelnd sagt. In den Werkzeuggriffen wie auch in den oft benutzten Blechen und Metallteilen steckt ein biografischer Verweis. Die Eltern des 1955 in Chur geborenen Künstlers führten eine Eisenwarenhandlung in Arosa. Gysi verliess diesen Rahmen bürgerlicher Geschäftigkeit und besuchte ein Jahr die Schule für Gestaltung in Luzern und bildete sich danach autodidakt weiter. Mit den Materialien der funktionalen Elternwelt begann er seine eigene Kunstwelt zu gestalten.

Metalle formen auch seine faszinierenden Schriftobjekte, wie z.B. EMME – zusammengesetzt aus Buchstaben, wie sie in Sehschärfe-Tests benutzt werden. Das E sieht aus wie ein auf die Seite gekipptes M. Es sieht wie das Gleiche aus, bedeutet aber nicht das Gleiche. „Nichts ist gleich nur Gleiches gleicht Gleichem“, lautet ein Grundsatz Peter Gysis. Ein Satz aus der Welt eines Nachdenkers, der die Dinge nicht leicht nimmt, auch wenn sie schwerelos scheinen mögen.

 

Alice Henkes

 

 

 

Kurzvideo Ausstellung