Dem frech dreinblickenden Kobold, der den Menschen gerne einen Streich spielt, steht der leuchtend rote Fingerhut „digitalis purpurea“ gegenüber, eine altbekannte Heil und halluzinogene Pflanze. Andrea Nyffelers (1969*) jüngste Arbeiten, die unter dem Werktitel „for the good times“ stehen, versinnbildlichen nicht nur einen neuen Lebensabschnitt der Künstlerin, nach einjährigem Aufenthalt in New Mexico USA, sondern verdeutlichen eine tiefgreifende, künstlerische Weiterentwicklung. So balancieren ihre aktuellen Werke zwischen Kindheitserinnerungen, Tagträumen und ihren, aus früheren Arbeiten bekannten, symbolhaften Figuren, wie dem Reh, Hasen und Kobold. Dabei wirkt die Stimmung zwischen ihren Protagonisten gegenüber ihren bekannten, früheren Arbeiten entspannter, gereifter, verantwortungsvoller. Durch die Gegenüberstellung zweier formal gegensätzlicher Einzelbilder, wie dem Kobold und dem Fingerhut, entsteht aus dem vermeintlich harmlosen Miteinander, eine bizarre Geschichte, die dechiffriert, mehr als ein modernes Märchen ist. Ihre Figuren, sind Wegbegleiter, symbolisieren Gefühle und Stimmungen, geben Sehnsüchte frei. Dadurch erschafft die Künstlerin eine sehr eigene, verspielte und trotzdem tiefgreifende Bilderwelt. Andrea Nyffeler lässt mit ihren symbolhaften Figuren eine faszinierende, geheimnisvolle Parallelwelt entstehen, eine abgründige Seelenwelt, die allerdings nicht fernab in einem träumerischen Nirgendwo, sondern mitten in und um uns stattfindet. Gerade dies ist das Markenzeichen der Künstlerin. Eine eigene, sinnliche Welt voller Sehnsüchte zu kreieren, die aber mit der heutigen, modernen Welt nicht einfach bricht, sondern ihr interessiert, verantwortungsvoll und fragend gegenübersteht.